Mein Kunstwerk verbleibt in St. Michaelis

Es folgt ein Text aus dem Gemeindebrief, März bis Mai 2015:

Bruchgefahr - ein Kunstwerk zu Gast in St. Michaelis

Die Passionszeit ist eine Zeit der Meditation und der Besinnung auf das Bruchstückhafte im Leben. Wie ist das Verhältnis von Glauben und Leiden? Welche Gewohnheiten verstellen uns den Blick auf die Grundfragen unserer Existenz? 


Solche Fragen beschäftigen uns während der Passionszeit in stillen Momenten, in Fastengruppen und Gottesdiensten. In diesem Jahr können wir uns in den Wochen vor Ostern durch ein Kunstwerk anregen lassen. Ab dem 22. Februar und dann bis zum Osterfest steht zunächst in der Unterkirche, später dann auch im großen Kirchraum ein Kruzifix, das wir sonst nicht zu sehen bekommen. Es sieht anders aus als die Kruzifixe, die wir auf den Altären der Michaeliskirche verwenden. Und damit lädt es ein, näher hinzuschauen, Unterschiede zu entdecken und über das, was man sieht und dabei empfindet, ins Nachdenken zu kommen. 

Gestaltet wurde die Plastik von der Lüneburger Künstlerin Petra Jankowski-Wiredu. Sie erzählt von ihrem Prozess, in dem sie das Kruzifix gestaltete: Als die Jesus-Plastik entstand, half Gott mir die 'richtigen' Äste zu finden. Sie müssen in einem bestimmten Winkel gewachsen sein, für die Arme und Beine. Und es muss ein bestimmter Trocknungsfaktor gegeben sein. Wären die Äste zu frisch, würde es zu Rissen in der Plastik kommen, zu trocken geht auch nicht - Bruchgefahr. Wenn dann eines zum anderen passt und sich alles harmonisch und leicht zusammenfügt, weiss ich immer, dass ich auf dem richtigen Weg bin. So ergeht es mir immer im Leben. Dann weiss ich ,es ist alles gut ! Es entsteht die Grundkonstruktion unter Berücksichtigung der Anatomie des Menschen. Die weitere Gestaltung entsteht zumeist mit vielen, vielen Schichten eingekleistertem Zeitungspapier. Oft, so auch bei der Jesus-Figur, verwende ich eine spezielle Kleistermischung um dickere Bahnen von Stoff einarbeiten zu können. Bei dieser Jesusfigur-sie ist ja ein Kruzifix, habe ich die rustikale Feinarbeit sichtbar gelassen und nur mit Lasur übermalt. In St. Michaelis steht das Kruzifix von WIREDU (Künstlername) auf dem Altar. Damit ist die Jesus-Figur sieben Wochen lang nicht nur Kunstwerk, sondern liturgischer Gegenstand, der in unseren Gottesdiensten Verwendung findet.

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